Natürliche Baumarten an Fließgewässern
Fliessgewässer mit den sie begleitenden Auewälder sind nicht nur landschaftsprägend im Projektgebiet. Sie sind mit den stetig gluckernden, munter über Steine springenden Bächen, ihrem Arten- und Strukturreichtum und den mäandrierenden Verläufen auch eine Allegorie auf die Leben schaffende Kraft des Wassers und den steten Wandel, dem die Natur unterworfen ist.
Heute schlängeln sich die bachbegleitenden Waldstreifen häufig durch Landwirtschaft und Straßen eingeengt, galerieartig am Bachlauf entlang (Foto 2). Das war mal anders. Ursprünglich dürfte das Projektgebiet ein weitgehend geschlossenes Waldland gewesen sein. Lediglich auf Sonderstandorten, wie den Mooren, Schutthalden und Felsen sowie entlang der Fliessgewässer gab es lichte bzw. offene Strukturen, wobei die zahlreichen Bäche mit ihren lichten Korridoren wichtige ökologische Linien- und Verbundstrukturen hatten. Ursache für die lichten Strukturen der Fliessgewässer sind neben den gehölzfreien Wasserläufen vor allem die sonnendurchlässigen Kronen der bachbegleitenden Baumarten. Durch Überflutungen konnten zusätzliche temporäre Lichtungen entstehen.
Die landschaftsökologische Bedeutung dieser sogenannten Bachauenwälder rückt in den letzten Jahrzehnten wieder verstärkt in den Mittelpunkt des Interesses. Es ist nicht nur ihre Bedeutung als Lebensraum für Tieren und Pflanzen (Arten- und Biotopschutz), auch die ingenieurbiologische Funktion der Ufersicherung von Fließgewässern und damit der Schutz der dahinterliegenden Siedlungs- und Verkehrsflächen und die positiven Wirkungen auf das Landschaftsbild werden inzwischen hoch eingeschätzt. Durch die „Renaturierung“ von Fließgewässern, d.h. die Wiederherstellung eines weitgehend naturnahen Zustandes kommen diese Vorteile nun wieder auch dort zum Tragen, wo der Flussbauingenieur ehemals große Hoffnung auf geradlinige, festverbaute Wasserrinnen setzte.
Die bachbegleitenden Erlen-Eschenwälder im Natura 2000 Gebiet kommen in unterschiedlicher Ausprägung vor. Der „Hainmieren-Schwarzerlen-Wald“ nimmt den größten Anteil an den Bachläufen im Natura 2000 Gebiet ein. Der „Schwarzerlen-Eschen-Wald“ ist begrenzt auf die quelligen Oberläufe (z.B. des Yachtales). Charakteristische Baumarten für diese Waldtypen sind Schwarzerle (Alnus glutinosa) und Esche (Fraxinus excelisior). In den Unterläufen der Bäche gesellen sich noch die strauch- bis baumförmigen Weiden hinzu.
Der Name Schwarz-Erle (Foto 3) beruht auf der alten Verwendung ihrer Rinde zum Schwarzfärben von Leder sowie der Herstellung schwarzer Tinte aus ihren Fruchtzapfen. Die mit einem Höchstalter von nur 100-120 Jahre kurzlebige aber raschwüchsige Schwarz-Erle erreicht einen Stammdurchmesser von knapp1 m.
Die „gemeine“ Esche (Foto 4) trägt volkstümlich auch die Namen Asche, Geisbaum, Oesch oder Wundbaum. In der nordischen Mythologie spielt sie als Weltenbaum eine wichtige Rolle. Sie kann bis zu 40 Meter hoch werden und einen Stammdurchmesser von bis zu 5 Metern erreichen. Ihr Höchstalter liegt bei ca. 300 Jahren.
Sinkt im Unterlauf oder in Plateaulagen die Fliessgeschwindigkeit oder bremsen Hindernisse (Felsschwellen) den Fluss können auch weidenbestimmte (Salix) Auen auftreten. Auf Kiesbänken siedeln sich die Silberweide (Salix alba) und strauchförmigen Bruchweiden (Salix fragilis) an (Foto 5). Sie ist eine der wenigen baumförmigen Weiden und war Baum des Jahres 1999. Die Bruchweide, auch Knack-Weide genannt verdankt ihren deutschen und botanischen Namen ihren dünnen Zweigen, die mit einem glatten Bruch und vernehmlichem Knacken an der Basis leicht brechen. Bei Hochwasser werden diese häufig abgerissen und wurzeln dann wieder, wenn sie flußabwärts ans Ufer geschwemmt werden.
Den genannten Arten ist gemeinsam, dass sie als Rohbodenbesiedler über eine außerordentliche Regenerationsfähigkeit (Stockausschlag) und ein intensives, tiefreichendes Wurzelwachstum verfügen und nahezu jährlich reichlich fruktifizieren. Den Umstand der Stockausschlagsfähigkeit, also das bilden neue Triebe nach dem Umsägen der Bäume, dem „Auf-den-Stock“ gesetzt werden, macht man sich bei der Pflege der Galeriewälder zu nutze. Das intensive, den Untergrund verwebende Wurzelwachstum nutzt man zur ingenieurbiologischen Stabilisierung gefährdeter Uferbereiche. So können z.B. mit Weiden-Steckhölzern (Foto 6) oder Weiden-Spreitlagen (Foto 7) Prallhänge von Fließgewässern besteckt/abgedeckt werden.
Maßnahme “Wilde Gutach”
Der Uferstreifen der „Wilden Gutach“ liegt innerhalb der Grenzen des „FFH-Gebietes“ (Foto 8, rote Linie) und ist in der Ortslage von Simonswald stark eingeengt durch die angrenzende Nutzung (Siedlung, Wege, Stromleitung, Acker-Wiesennutzung). Dies hat dazu geführt, dass der ohnehin schon schmale Ufergürtel beeinträchtigt wird durch Lagerhaltungen (Recycling- Container, Steinlager) und standortfremde Nadelgehölze (Fichten, Douglasien). Verschiedene Faktoren wie z.B. Uferverbau und die Pflanzung nicht geeigneter Gehölze beeinträchtigen die Biotopqualität in Flachwasserzonen, dem Lebensraum des Bachneunauges und der Groppe. In Uferbereichen, in denen Gehölze gänzlich fehlen (z.B. unter Stromleitungen), machen sich in den letzten Jahren Neophyten (neo = neu; phytos = Pflanze) breit und verdrängen die natürlicherweise vorkommende Pflanzenwelt: Insbesondere der sehr schnellwüchsige Japanische Staudenknöterich (Foto 8, Reynoutria japonica) treibt im Frühling aus winterfesten “Wurzelstöcken” Triebe, die unter günstigen Bedingungen innerhalb weniger Wochen eine Höhe von 3 bis 4 Metern erreichen.
Ziel der Maßnahme ist die Renaturierung von degradierten Uferbereichen der Wilden Gutach im Ortsbereich von Simonswald durch:
• Entfernung von Neophyten durch Vedrängungspflanzung (Weiden-
Spreitlage),
• Beseitigung standortfremder Nadelgehölze,
• Verlegung der Recycling-Container,
• Entfernung von Ablagerungen (z.B. Steinwall).
Insbesondere die Ausdehnung des Knöterichs stellt ein Problem dar. In den letzten beiden Jahren haben sich die hiervon betroffenen Flächen im Maßnahmenbereich verdoppelt. Die Verdrängungspflanzung mit Weidenspreitlage (Foto 7) ist im vergleich zu alternativen Bekämpfungsmethoden die aussichtsreichste Methode. Nach Durchführung der genannten Maßnahmen sind die Ausgangsbedingungen hergestellt, um mittelfristig die Entwicklung eines standorttypischen Schwarzerlen-Auewaldes zu erreichen.
Hans-Joachim Zurmöhle
Büro für Landschaftsplanung
Andreas Schabel
Forstdirektion Freiburg
