Startseite Termine Für Gäste Land-und Forstwirte Naturführer LIFE - NATURA 2000 Weidesysteme Auerhuhn Webcam Landkarte Naturerlebnis Schulen Feuereinsatz Panoramen Downloads Informationstafeln Auwälder an Fließgewässern Hofläden Zustiftung Spenden Wald Niederwälder Moore Borstgrasrasen Projektfilm


Je größer die Links,
umso mehr Artikel sind zu dem Thema vorhanden!


Termine - Was LIFEt am Rohrhardsberg?

Habitatmanagement Raufußhühner

Faszination Auerhuhn – Im Schwarzwald gibt es diese Urvögel noch. Doch das Überleben der beeindruckenden Vogelart ist bedroht. Nur wenn Waldbesitzer, Förster, Jäger, Wanderer, Tourismus-Manager, Naturschützer und Politiker gemeinsam ihren Teil zu einem Schutzkonzept beitragen, wird es diese Charaktervögel des Schwarzwaldes auch in Zukunft geben. Eine zentrale Rolle im Auerhuhn-Schutz spielt die Art der Waldbewirtschaftung. Hierbei geht es nicht um einen Nutzungsverzicht. Es gibt Wege, wie der Schutz des Auerhuhns und das Nutzen des Waldes durch den Menschen in Einklang gebracht werden können.

Das Auerhuhn kommt in großen, geschlossenen Waldgebieten kalter Klimazonen vor. Im Schwarzwald gibt es eine überlebensfähige Population. Allerdings ist der Bestand seit Anfang des 20. Jahrhunderts kontinuierlich zurückgegangen. Dennoch stellt die Population derzeit das größte Auerhuhnvorkommen Zentraleuropas außerhalb der Alpen dar.
Circa 600 Auerhühner besiedeln im Schwarzwald rund 50.000 Hektar Waldfläche. Diese Gebiete hängen nicht zusammen, sondern sind in mehr als 100 kleinere Areale zersplittert. Deren Größe variiert zwischen 250 und 1.000 Hektar. Obwohl die Abstände zwischen benachbarten Auerhuhngebieten immer weniger als zehn Kilometer betragen, bestehen sehr unterschiedliche räumliche Bedingungen für einen Populationsaustausch.

Aufgrund seiner speziellen Habitatansprüche ist das Auerhuhn Indikatorart für strukturelle Diversität im Wald. Der große Waldvogel gilt als sogenannte Schirmart, da durch Schutzmaßnahmen für das Auerhuhn weitere gefährdete, bergwald-spezialisierte Vogelarten begünstigt werden. Beispielhaft: Haselhuhn, Dreizehenspecht und Sperlingskauz.

Das Auerhuhn kann Leitart für die Planung und Umsetzung eines Biotopverbundes zwischen den Höhenlagen der Wälder des Schwarzwaldes sein. Der Auerhuhn-Schutz dient also nicht allein dem Selbstzweck der Erhaltung eines faszinierenden Vogels. Vielmehr geht es um eine Art der Waldbewirtschaftung, die gleichzeitig die berechtigten Interessen des Waldbesitzers und die Anforderungen zur Erhaltung der biologischen Vielfalt und damit der Biodiversität im Schwarzwald erfüllt.
Da das Auerhuhn ein Vogel kalter Klimazonen ist und lichte Wälder und nährstoffarme Bedingungen benötigt, machen Schutzmaßnahmen für Auerhühner nur dort Sinn, wo diese Bedingungen gegeben sind.

Im Rahmen einer naturnahen Waldwirtschaft, die auch Biodiversität im Fokus hat, werden auf den für das Auerhuhn geeigneten Flächen entsprechende Maßnahmen im Bereich der Habitatpflege umgesetzt. Die bisherige naturnahe Waldwirtschaft orientiert sich u.a. daran, welche Standortbedingungen für welche Baumarten geeignet sind. Bei der Zusammensetzung der angestrebten Baumarten spielt vor allem die Klimaxgesellschaft eine entscheidende Rolle. Dies ist der Wald, der sich ohne menschliche Eingriffe auf langfristige Sicht entwickeln würde. Im Schwarzwald bedeutet dies vielfach einen Wechsel von Fichtenreinbeständen hin zu Fichten-Tannen-Buchen-Beständen. Ein solcher Wechsel ist – je nach heutigem Bestand – entweder mit Hilfe von Naturverjüngung oder mit Anpflanzen nicht vorhandener Baumarten möglich. Werden waldsturkturelle Aspekte nicht berücksichtigt, führt eine solche Vorgehensweise zu einer Vorratsanreicherung im Altbestand und einer Verdichtung der Bestände durch Naturverjüngung am Waldboden. So werden die für Auerhühner wichtigen lichten Waldstrukturen immer weniger. Damit verschwindet auch die Heidelbeere und – mit ihr als Hauptnahrungspflanze der Auerhühner – die Eignung des Lebensraums für diese Vogelart.
Die „dunklen“ Waldstrukturen sind grundlegend zu überdenken. Zwar wird naturnah gewirtschaftet und die Baumartenzusammensetzung entspricht natürlichen Bedingungen, doch drohen jene Arten auszusterben, die auf Licht im Wald angewiesen sind.

Spezielle Pflegemaßnahmen, die in die naturnahe Waldwirtschaft integriert werden, sind notwendig, wenn die Überlebensbedingungen für Auerhühner erhalten werden sollen. Die Maßnahmen können drei Gruppen zugeordnet werden:

• Maßnahmen, die im Rahmen von Jungbestandpflegen oder Durchforstungen nebenbei gemacht werden können und daher kostenneutral sind (Beispiel: Begünstigung von Laubbaumarten).
• Maßnahmen, die in älteren Beständen wirken und dadurch einen direkten Geldertrag durch Holzverkauf erbringen, aber zu einer langfristigen Nutzungsminderung führen (Beispiel: Bachaufhieb, Anlage von Schneisen etc.).
• Maßnahmen in Jungbeständen oder Naturverjüngungen, wo eigentlich keine Pflegearbeiten anstehen und dadurch zusätzliche Kosten verursachen (Beispiel: gruppenweiser Aushieb von Fichten in Jungbeständen, Einbringen von kätzchentragenden Baum- und Straucharten).

Die Umsetzung von Maßnahmen soll durch den „Aktionsplan Auerhuhn Schwarzwald“ erfolgen. Die Grundlagen des Aktionsplans sind veröffentlicht unter www.fva-bw.de. Das LIFE-Projekt Rohrhardsberg ist ein für die schwarzwaldweite Umsetzung des Aktionsplanes beispielgebendes Projekt, nicht zuletzt deshalb, weil zum Themenkomplex „Habitatpflege für Raufußhühner“ umfangreiche Schulungen für Waldarbeiter, Förster und Waldbesitzer durchgeführt wurden.

Wer sich in Sachen Habitatpflege weiterbilden möchte, kann über die Forstliche Versuchsanstalt Freiburg Schulungsunterlagen erwerben. Zum einen informiert das „Aktionsblatt Habitatpflege“ im Rahmen des Aktionsplan Auerhuhn zum Thema, des Weiteren steht ein Schulungsfilm zum Download bereit.

-> Lebensräume

Judith Ehrlacher
Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg



[nach oben]

Dieser Artikel gehört zu folgenden Kategorien: Auerhuhn, Land-und Forstwirte | 5747 Abrufe