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Termine - Was LIFEt am Rohrhardsberg?

Kontrollierter Feuereinsatz

Feuer spielte über Jahrhunderte eine wichtige Rolle in der Landbewirtschaftung des Schwarzwaldes und in anderen Mittelgebirgslandschaften Europas (Brandwaldfeldbau, Reutbergwirtschaft, Weidbrennen, Brandrodung). Neben der eigenen Muskelkraft und dem Viehmaul war der Feuereinsatz ein wichtiges Werkzeug, um auf den Hanglagen einen kombinierten Waldfeldbau zu betreiben. Ziel war es, eine zeitlich gestaffelte und auf Nachhaltigkeit bedachte Mehrzwecknutzung der Waldstandorte zu ermöglichen. Die Kombination von Niederwaldbewirtschaftung (Erzeugung von Nutzholz, Gerbrinde), Waldweide und Anbau von landwirtschaftlichen Produkten in einem kombinierten System erforderte den Einsatz von Feuer. Hierdurch wurden Vegetation und Landschaftsbild erheblich beeinflusst – und damit auch die teilweise heute noch vorhandene Biotopausstattung dieser Mittelgebirgslandschaften.

Wenn man museale Schaubrennen außer Acht lässt, ist es inzwischen fast 50 Jahre her, dass im Schwarzwald die letzten Reutfelder gebrannt haben. Daher ist bereits viel Detailwissen über die Anwendung des Feuers verloren gegangen.

In den zurückliegenden fünf bis zehn Jahren wurde das Thema wieder aufgegriffen. Die Grundlagenforschung kümmerte sich um den Feuereinsatz, Naturschützer und Landschaftspfleger haben sich damit befasst. Besonders engagiert war dabei die Freiburger Arbeitsgruppe Feuerökologie und der Landschaftserhaltungsverband Landkreis Emmendingen e.V.. Sie untersuchten die Anwendung des kontrollierten Feuers zum Erhalt von Offenlandschaften und in der Waldbewirtschaftung.

Im Rahmen dieses LIFE-Projektes werden zwei feuerökologische Arbeitsschwerpunkte verfolgt:

• Die probeweise Integration des kontrollierten Feuereinsatzes in die Weidbergwirtschaft auf Borstgrasrasen zur Weidenachpflege

• sowie die Erprobung des kontrollierten Feuereinsatzes im Wald auf ehemaligen Sturmwurfflächen zur Schaffung und Erhaltung von Lebensräumen für Raufußhühner.

In dem Projektteil Weidbergwirtschaft wurde an die alten Landbewirtschaftungstraditionen der Reutbergwirtschaft angeknüpft. Früher wurde der Feuereinsatz und die Beweidung kombiniert. Im Projekt wurden moderne Feuer-Management-Techniken in die vorhandenen Extensivweidesysteme eingebaut. Die Arbeitsgruppe hat damit eine Möglichkeit geschaffen, die Systeme effektiver gestalten zu können und dadurch einen weiteren Flächenverlust dieser Lebensräume zu verhindern.

Die Notwendigkeit des Feuereinsatzes ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass die Weidfelder mit Borstgrasrasen wegen der Weidereste und der starken Tendenz zur Verbuschung der Nachpflege bedürfen. Die Weidepflege ist arbeits- und kostenintensiv. Auf vielen steilen Flächen kann kaum mit Hilfe von Maschinen gearbeitet werden.

Wird die Weidenutzung aufgegeben und die Sukzession setzt ein, sind die Flächen als prioritärer artenreicher Borstgrasrasen verloren.

Da der Feuereinsatz als Pflegemethode auf keine spezifischen wissenschaftlichen Grundlagen für die ausgesuchten Standort zurückgreifen konnte, sah das LIFE-Projekt ein umfangreiche ökologische Begleituntersuchung vor. Dabei wurden folgende Aspekte untersucht:

• Einfluss des Feuers auf Artenzusammensetzung und Struktur
• Reaktion von Problemarten (Brombeere, Adlerfarn)
• Einfluss des Feuers auf Gehölzentwicklung
• Direkter und indirekter Einfluss des Feuers auf die Fauna

Die zweite Komponente betraf die großen Flächen, auf denen die Stürme in den Jahren 1999 und 2000 den Wald ausgedünnt haben. Während der Projektlaufzeit befanden sich diese Areale im temporären Stadium als Sukzessionsflächen. Diese Flächen, in Verbindung mit den verbliebenen Altbeständen, stellen einen idealen Lebensraum für Raufußhühner dar, vor allem für Auerwild. Mit dem kontrollierten Feuereinsatz sollten diese Habitate erhalten bzw. neue Lebensräume geschaffen werden.

Denn wenn auf den Sturmwurfflächen nicht eingegriffen wird, führt eine reichhaltige Fichtenverjüngung dazu, dass die offenen, struktur- und artenreichen Lebensräume durch einen geschlossenen und relativ artenarmen Hochwald ersetzt werden. Aus der borealen Zone ist bekannt, dass Vegetationsbrände einen günstigen Einfluss auf die Ausprägung von Lebensräumen für Raufußhühner haben.

Der kontrollierte Feuereinsatz ist ein geeignetes Instrument, um diese Entwicklung aufzuhalten. Mit dem Feuereinsatz kann erreicht werden:

• Reduktion der Fichtenverjüngung
• Förderung der Beerstrauchdecke
• Förderung von Weichlaubhölzern
• Förderung der Strukturvielfalt durch eine Verzögerung der Entwicklung zum geschlossenen Hochwald in Teilbereichen der Bestände

Die Erfahrungen im Projektgebiet zeigten, dass ein Feuereinsatz aufgrund der klimatischen Eigenschaften in den Hochlagen des Rohrhardsbergs sehr schwierig durchzuführen ist, da die Schneeauflagen bzw. die Feuchtigkeit auf diesen Standorten nur wenige Tage im Jahr ein erfolgreiches Brennen möglich machen. Solche Tage können dann in Zeiträume fallen, in denen aufrgrund artenschutzrechtlicher Überlegungen in keinem Fall gebrannt werden sollte. Dies sind Zeiten der Balz, der Brut und der Aufzucht des Nachwuchses des Auerwilds. Für die Praxis ergeben sich dadurch in Zukunft Schwierigkeiten bei der Umsetzung.

Sozio-ökonomische Aspekte:

Während die ersten beiden Projektteile sich im wesentlichen mit praktischen und ökologischen Fragen der Integration des Feuer-Managements im Wald und auf den Weidbergen auseinandersetzen, stehen in einem weiteren Projektteil der Erfahrungsaustausch sowie gesellschaftlich-soziale Fragestellungen im Vordergrund.

In Schweden und Finnland ist der Feuereinsatz im Wald Tradition. Dort wird der kontrollierte Brand noch weiter forciert, um die Biodiversität der Landschaften zu erhalten. In den Pyrenäen wird der kontrollierte Feuereinsatz zur Pflege von atlantisch getönten Weidflächen, die im Schwarzwald verbreiteten Besenginsterweiden und Borstgrasrasen nahe stehen, seit mehr al 20 Jahren eingesetzt.

In Deutschland gibt es eine Reihe von Pilotprojekten im Feuer-Management von atlantischen und kontinentalen Calluna-Heiden und im Böschungs-Management in Weinbaugebieten und bei der Deutschen Bahn. Dort hat der kontrollierte Feuereinsatz bereits einen Eingang in die allgemeine Praxis außerhalb der wissenschaftlich betreuten Vorhaben gefunden. Und hierzu konnte das LIFE-Projekt erheblich beitragen.

Mit einem umfassenden Erfahrungsaustausch konnten Synergien zum wechselseitigen Nutzen entwickelt werden. Aktivitäten hierzu umfassten:

Symposium zum Einsatz von Kontrolliertem Feuer in Naturschutz und Landschaftspflege in Freiburg (Januar 2008) für Fachbehörden und Verbandsvertreter im Projektgebiet mit internationaler Beteiligung (Eurasian Fire in Nature Conservation Network) Mit dabei sein waen auch Vertreter der durch Mittel der EU geförderten Freiburger Forschungs- und Entwicklungsvorhaben Fire Paradox und EuroFire
• Exkursion in die Pyrenäen, um dort anhand von praktischen Beispielen die Einsatzmöglichkeiten des kontrollierten Feuereinsatzes kennen zu lernen.
• Workshop, in dem Richtlinien zum Feuereinsatz im Projektgebiet erstellt wurden.

Links

Zitierbare Veröffentlichung

Kontrolliertes Brennen in Naturschutz und Landschaftspflege in Eurasien

Bericht vom Projekt zum Stand 2009

Website des Workshops

Workshop-Beiträge



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