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Termine - Was LIFEt am Rohrhardsberg?

Vorstellung des Projektes

Das Projektgebiet Rohrhardsberg, Obere Elz und Wilde Gutach liegt nordöstlich von Freiburg im Breisgau in einem vergleichsweise wenig zerschnittenen Teil des Mittleren Schwarzwaldes. Den geographischen Rahmen bilden die Gemeinden Hornberg, Elzach, Schonach, Schönwald, Furtwangen, Gütenbach und Simonswald. Für das Land Baden-Württemberg stellt dieses Gebiet ein ökologisch unverzichtbares Bindeglied zwischen dem Südschwarzwald mit Hotzenwald und Feldberggebiet und dem Nördlichen Schwarzwald mit der Hornisgrinde und dem Grindenschwarzwald dar.

Wesentliches Merkmal der Landschaft, die das LIFE-Projektgebiet umfasst, sind die großen Höhenunterschieden. Das ist unter anderem den zwei unterschiedlichen Naturräumen geschuldet. Im Westen liegen die tief eingeschnittenen Täler der Elz und der Wilden Gutach. Dieses Gelände gehört zum Naturraum Mittlerer Talschwarzwald. Alle Flüsse verlaufen mit teilweise großem Gefälle in Richtung Rheingraben (Rhenanischer Schwarzwald).
Im Süden und Osten überwiegt eine vergleichsweise sanft geschwungene Hochflächenlandschaft, die ursprünglich nach Osten zur Donau hin entwässerte.
Hier verlaufen die Bäche meist in breiten und flachen, oft vermoorten Tälern. Aufgrund des geringen Gefälles ist die erodierende Wirkung des Wassers hier geringer und hat das Gebirge nicht tief eingeschnitten.

Dieser Teil des Rohrhardsberges, der vielerorts die 1000 Meter- Höhenmarke überschreitet, gehört naturräumlich zum Südöstlichen Hochflächen-Schwarzwald. Wegen seiner Entwässerungsrichtung wird er danubisch geprägter Schwarzwald genannt.

Kennzeichnend für die Hang- und Tallagen im Westen und Norden sind ausgedehnte Waldgebiete mit zahlreichen Fels- und Schutthaldenformationen. In den Tallagen findet sich eine bäuerliche Landwirtschaft mit einer ausgeprägten Grünlandnutzung sowie mittelständisch orientierte Handwerks- und Industriebetriebe. Die Täler sind durch Straßen und Eisenbahn gut erschlossen.

In den Hanglagen des Gebietes wurden in der Vergangenheit einige bemerkenswerte Nutzungsformen betrieben: Die Reutbergwirtschaft ist eine über Jahrzehnte wechselnde Acker-Weide-Niederwaldwirtschaft. Aufgrund hoher Preise für Gerbrinde entwickelte sich Mitte des 19. Jahrhunderts aus der Reutbergwirtschaft eine Eichenschälwirtschaft mit einem 15- bis 25-jährigen Bestandsumtrieb. Beide Nutzungsformen und eine über Jahrhunderte andauernde intensive Rodungstätigkeit in den Wäldern führten dazu, dass etwa drei Viertel des Rohrhardsberggebietes offen waren.

Den unterschiedlichen Nutzungsformen ist der heutige Strukturreichtum und das Vorkommen ökologisch wertvoller Lebensräume und Arten zu verdanken. Heute liegt der Waldteil des Gebietes bei ca. 75 Prozent.

Im Simonswälder Tal wurde im Mittelalter verbreitet Bergbau betrieben. Im 18. Jahrhundert entstanden hier Glashütten und Eisenwerke. Das hierzu notwendige Holz wurde in der näheren und weiteren Umgebung entnommen und ist eine der Ursachen für den für diese Zeiten bemerkenswert geringen Waldanteil des Gebietes.

In den Hochlagen des Rohrhardsberges überwiegen ausgedehnte, unzerschnittene Waldgebiete und zahlreiche Extensivweiden (Borstgrasrasen), die von einzelstehenden Hofstätten aus bewirtschaftet werden. In den flachen Tallagen finden sich unterschiedliche Moorbildungen mit bemerkenswert artenreichen Beständen.

Das Klima innerhalb des Projektgebietes variiert mit der Höhenlage. Das Ibendörfle im Simonswäldertal liegt in einer Höhenlage von 380 m ü. NN und grenzt an die milden klimatischen Lagen des Rheintales und der Vorbergzone. Hier sind häufig Windrichtungen aus Südwest zu registrieren, die milde Luftmassen aber auch Steigungsregen mit sich bringen. Nur etwa vier Kilometer entfernt liegt das Obereck, die höchste Erhebung innerhalb des Projektgebietes (1180 m ü. NN).
Bis in Höhenlagen von etwa 500 m überwiegen Jahresdurchschnittstemperaturen von mehr als acht Grad. Diese sinken in den Hochlagen auf teilweise unter fünf Grad, die Niederschlagsmengen steigen hier teilweise auf etwa 2000 mm pro Jahr an.

Entsprechend kurz ist die Vegetationsperiode im Vergleich zu den Tallagen. Nur an etwa zehn Tagen im Jahr werden Tagestemperaturen von mehr als 25 Grad erreicht.

Der Rohrhardsberg gehört zu den schneereichsten Gebieten im Schwarzwald. Das Klima der Hochlagen ist insgesamt als kalt-atlantisch bis kontinental zu klassifizieren.

Im größten Teil des Projektgebietes wachsen Laub-, Misch- und Nadelwälder. Landwirtschaftlich liegt das Hauptaugenmerk auf der extensiven Grünlandbewirtschaftung. Diese umfasst eine sommerliche Weideführung von Rindern und eine Stallfütterung in der winterlichen Jahreszeit.
Diese Nutzungsformen erhalten die traditionellen Weidfelder und artenreichen Mähwiesen.

Strukturell verändert sich die Landwirtschaft. Da die Erzeugerpreise für die bäuerlichen Betriebe sinken, wechseln viele Landwirte zu Nebenerwerbsbetrieben. Zahlreiche Bauern geben ihren Beruf auch völlig auf bzw. erwirtschaften ihr Einkommen weitgehend im Bereich der Gastronomie und des Tourismus. Die Sorge ist berechtigt, dass in den kommenden Jahren die Zahl der Landwirte noch weiter zurückgeht. Es droht eine Situation, in der gerade einzeln liegende Hofstätten in ökologisch hochwertigen Arealen des Gebietes und somit die Biodiversität und spezialisierte Arten gefährdet werden.

Das Projektgebiet liegt in einem ca. 150 Quadratkilometer großen Raum, der in einem regionalen und nationalen Vergleich bemerkenswert unzerschnitten und verkehrsarm ist. Neben ausgedehnten, naturnahen Wäldern weist das Gebiet ausgedehnte Weidfelder (Borstgrasrasen), naturnahe Fließgewässer, Moore und überregional bedeutsame Felsbildungen auf.

Die herausragende europa- und bundesweite Bedeutung des Rohrhardsberggebiets ergibt sich aus der Vielzahl oft kleinräumig verzahnter FFH-Lebensraumtypen, die zusammen mit anderen Habitaten eine große Zahl seltener und bedrohter Artengruppen beherbergen. Insgesamt sind für das Gebiet 22 verschiedene FFH-Lebensraumtypen bekannt – etwa die Hälfte aller in Baden-Württemberg überhaupt vorkommenden Lebensraumtypen. Gründe hierfür sind die sehr hohe standörtliche Vielfalt und die in der Vergangenheit sehr extensiv durchgeführte land- und forstwirtschaftliche Nutzung des Gebietes.

Besonders hervorzuheben sind die Vorkommen der prioritären Lebensraumtypen:

• artenreiche Borstgrasrasen,
• naturnahe, lebende Hochmoore,
• Moorwälder sowie
• Schlucht-, Hangmisch- und Auenwälder.

Die Borstgrasrasen am Rohrhardsberg sind besonders artenreich. Sie zeichnen sich durch eine Vielfalt an standörtlichen Ausprägungen aus. Hier finden sich etliche Arten – wie beispielsweise Arnika, Gewöhnliches Katzenpfötchen, Weißzüngel, Wiesen-Leinblatt und Echte Mondraute – die landes- oder bundesweit gefährdet sind. Eine Besonderheit ist das Auftreten des Holunderknabenkrautes, einer Art, die in Baden-Württemberg nur im Rohrhardsberggebiet vorkommt.

Der besondere Reichtum an seltenen Arten ist auf die lang tradierte und schonende Weidebewirtschaftung zurückzuführen. Die Borstgrasrasen sind oft verzahnt mit den Trockenen Heiden und teilweise locker mit Gehölzen bestockt. Mit Wacholder und Dornsträuchern bewachsene Bereiche sind oft Lebensraum des Neuntöters. In Randbereichen treten mit Baumpieper und Zitronengirlitz zwei weitere typische, landesweit zurückgehende bzw. gefährdete Vogelarten auf.

Die Moore im Projektgebiet sind vergleichsweise kleinflächig, umfassen aber im pSCI-Gebiet insgesamt ca. 37 Hektar Fläche mit weit über 300 Einzelflächen. Aus naturschutzfachlicher Sicht sind insbesondere die Talvermoorungen entlang der Bachläufe im danubischen Teil des Gebietes wichtig. Sie werden in der Regel extensiv genutzt und bestehen aus ineinander verzahnten Komplexen aus Nieder- und Übergangsmooren, Quellfluren und anderen Nasslebensräumen. Die standörtlichen Verhältnisse, ein ausgeprägtes Strukturmosaik und eine sehr extensive landwirtschaftliche Nutzung ermöglichen hier ein Vorkommen zahlreicher wertgebender Pflanzen- und Tierarten.

Eine Kennart dieser Lebensräume ist das Sumpf-Läusekraut mit bedeutsamen Beständen. Seltene Bewohner von offenen Niedermoorstandorten sind der Moor-Klee und der Moor-Bärlapp. Ebenfalls verzahnt tritt der Moor-Fichtenwald und der Bodensaure Nadelwald auf.

An den Hängen und in den Hochlagen kommen verschiedene Felsbildungen und Schutthalden vor. Sie sind teilweise landschaftsprägend. Und sie bieten nicht nur Heimat für seltene Pflanzen, sondern zeichnen sich durch artenreiche Flechten-Gesellschaften aus, die in Mitteleuropa als stark gefährdet gelten.

Große Teile des Gebietes werden von naturnahen Nadel-, Misch- und Laubwäldern bestimmt. Entlang der zahlreichen kleinen Fließgewässer finden sich Bestände der Bachauewälder mit Erle und Esche. In den höheren Lagen finden sich noch sehr vereinzelt Reliktbestände des Grauerlen-Auwalds. Für Raufuß- und Sperlingskauz stellen sie national bedeutsame Bruthabitate dar; der Schwarzspecht ist im gesamten Waldgebiet verbreitet.

Das Projektgebiet hat eine herausragende Bedeutung für die Raufußhuhnarten Auerhuhn und Haselhuhn. Bei beiden Arten wurden in den vergangenen Jahrzehnten starke Einbußen im Bestand registriert. Um diesen Rückgang aufzuhalten, sind waldbauliche Maßnahmen im Rahmen des Projekts aus mehreren Gründen unbedingt notwendig: Der Rohrhardsberg stellt ein wichtiges Bindeglied zwischen anderen Teilpopulationen der beiden Arten im südlichen und nördlichen Schwarzwald dar. Weitere Lebensraumverluste im mittleren Schwarzwald stellen das Überleben der gesamten Schwarzwaldpopulationen in Frage.

Die vorgesehenen Maßnahmen dienen aber auch als Beispielflächen für die Integration von Artenschutzzielen in die Waldwirtschaft. Dies ist eine unverzichtbare Voraussetzung für die auf großen Flächen (> 50.000 Hektar) notwendigen Maßnahmen zur Lebensraumerhaltung und -gestaltung.

Der Dreizehenspecht wurde im Gebiet mehrfach im Winter nachgewiesen. Die Vorkommen von Ringdrossel und Zitronengirlitz weisen auf die montane Lage hin. Der Zitronengirlitz kommt in Deutschland nur in den bayrischen Alpen und im Schwarzwald vor. Das zahlreiche Vorkommen am Rohrhardsberg ist das wichtige Bindeglied zwischen weiteren Teilpopulationen am Feldberg und im nördlichen Schwarzwald.

Das Projektgebiet ist Lebensraum für eine große Zahl seltener und bedrohter Schmetterlingsarten. Besiedelt werden hier in erster Linie warm-trockene Lebensräume (Weidfelder, Borstgrasrasen) und Habitate in vermoorten Regionen. Zielarten sind der Mittlere Perlmutterfalter , Randring-Perlmutterfalter und das Große Wiesenvögelchen, für die das Land Baden-Württemberg eine besondere Schutzverantwortung trägt.

Landesweit bedeutsame Vorkommen existieren für die Schmetterlingsarten Hochmoor-Gelbling, Großer Eisvogel, Hochmoor-Perlmutterfalter, Natterwurz-Perlmutterfalter und Violetter Feuerfalter. Sehr viele Arten werden in den regionalen und nationalen Roten Listen aufgeführt und sind teilweise vom Aussterben bedroht.

Für Heuschrecken sind die Borstgrasrasen der Weidfelder sowie die Nasswiesen der Moorrandbereiche relevante Lebensraumtypen. Dazu zählen die gefährdeten Zielarten Gebirgsgrashüpfer, Sumpfschrecke, Warzenbeißer, Steppengrashüpfer und Kleiner Heidegrashüpfer.

Die Groppe, eine gefährdete Süßwasserfischart, kommt in den naturnahen Fließgewässern im Gebiet in guten Beständen vor. In der Umgebung wurde auch das Bachneunauge nachgewiesen, das vermutlich auch innerhalb der Projektgebietes vorkommt. Nur in den tieferen Lagen dürfte der Dohlenkrebs anzutreffen sein. Er gehört zu einer in Westeuropa verbreiteten Art, die in einem Zufluss der Elz nahe des Projektgebiets nachgewiesen wurde.



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